Bildbearbeitung mit GIMP

von Hannes Saffrich
Gewerbliche Schule Schwäbisch Hall, 29.05.2008

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top # Index

1 Was ist GIMP/Was macht man mit GIMP
2 Entwicklungsgeschichte von GIMP
3 Plattformabhängigkeit
4 neue Features der Version 2.4
5 Geplante 2.6 Veränderungen
6 GIMP Skriptsprache (Skript-Fu)
7 GIMP-Plugins
8 Animationen mit GIMP
9 Hardwareunterstützungen (Scanner etc.)
10 Vergleich mit anderen Bildbearbeitungsprogrammen

GIMP-Logo

top 1 Was ist GIMP und was macht man mit GIMP

GIMP ist eine professionelle und kostenlose Grafikbearbeitungssoftware und als Teil des GNU-Projects frei für jeden zu modifizieren.

Der Schwerpunkt des Programms ist die Bearbeitung von Bildern, wobei man es auch als Bildgenerator, Animationsprogramm oder Scansoftware verwenden kann.

Es verfügt über eine eigene Skript-Sprache mit welcher man nahezu jede GIMP-Funktion automatisieren kann, was bspw. bei größeren Animationsprojekten
sehr viele zeitliche Vorteile mit sich bringen kann.

Mit GIMP erstellte Dokumente dürfen sowohl privat als auch kommerziell uneingeschränkt verwendet werden.

top 2 Entwicklungsgeschichte von GIMP

GIMP wurde ursprünglich von Peter Mattis & Spencer Kimbal als Studienarbeit entwickelt.
1995 wurde die erste Betaversion 0.54 public für Linux 1.2.13, Solaris 2.4, HP-UX 9.05 und IRIX veröffentlicht.
Diese erste Betaversion war bereits Pluginfähig und beinhaltete viele Funktionen wie bspw. eine intelligente Schere oder diverse Filter.

1997 erschien dann der 1.0 Release welcher das eigenentwickelte GIMP Toolkit (GTK+) enthielt.
Durch das GTK+ wurde GIMP platformunabhängiger, da man nicht mehr auf das kommerzielle Motif-Toolkit zurückgreifen musste,
sondern die eigene freie Benutzeroberfläche verwenden konnte.

GIMP 1.0
Abb. 2.1 - GIMP 1.0 - Quelle: Valdyas.com - Lizenz: Creative Commons Attribution-Noncommercial-No Derivative Works 3.0 Unported License

Schnell etablierte sich GIMP als Standart-Bildbearbeitungssoftware für nahezu jedes Linux, welches nicht auf GTK-basierende Programme verzichten wollte.
Mittlerweile steht GIMP in der Version 2.4 und sieht unter Ubuntu-Linux so aus:

GIMP 2.4
Abb. 2.2 - GIMP 2.4 auf einer Ubuntu-Linuxdistribution

top 3 Plattform(un)abhängigkeit

linux
Auf den meisten Linux Distributionen ist GIMP im normalfall standartmäßig vorinstalliert.
Nachinstallieren lässt es sich in der Konsole mit folgenden Befehlen:
* Ubuntu / Debian: "apt-get install GIMP"
* openSUSE: "yast -i GIMP"
* Fedora: "yum install GIMP"
* Mandriva: "urpmi GIMP"

windows
GIMP gibt es auch für Windows, allerdings benötigt man das GTK+. Dies ist aber bei der neusten Version (2.4) schon standartmäßig mit im Installer eingebunden.

GIMP 2.4.5 + GTK für Windows 2000/XP/2003/Vista:
* http://downloads.sourceforge.net/gimp-win/gimp-2.4.5-i686-setup.exe (16 MB)

macintosh
GIMP gibt es auch für den Mac allerdings nur für Mac OS X und man benötigt die X Windowing Layer das es funktioniert.

top 4 Die neuen Features der Version 2.4 im überblick

+ neue Symbole, welche plattformunabhängig passen
+ Skalierbare Pinselspitzen (Werkzeugleiste Schieberegler)
+ Auswahlwerkzeuge wurden komplett überarbeitet um Größenänderungen bei vorhandenen Auswahlen vornehmen zu können und die Eckenrundung einstellen zu können
+ Neue Werkzeuge wie Vordergrundauswahl, das Ausrichten-Werkzeug oder das Heilen-Werkzeug
+ überarbeitung der Menüs
   * neues Menü Farben, welches die meisten Werkzeuge, Plug-ins und Skripte zur Farbmodifikation beinhaltet.
   * Namen einiger Menüfunktionen verständlicher gemacht um GIMP-Anfängern den Einstieg zu erleichtern
+ Unterstützung für Weiter Dateiformate:
   * *.ABR Photoshop Pinsel
   * Verbesserung des schreibens und Lesens von EXIF-Daten in JPEG
   * Einlesen von beschnittenen Pfaden in TIFF
   * Ebenenmasken können in PSD gespeichert werden
   * Unterstützung von 16-/32-bit-Bitmaps und Transparenz in BMP
   * 24-bit/Vista Icons können geladen und gespeichert werden
+ Erweiterter Vollbildmodus (F11) in welchem jetzt neben der Betrachtung auch die Bearbeitung von Bildern möglich ist.
   Dabei kann man die Docks bequem per Druck auf die TAB-Taste ein-/ausblenden.
+ Farbmanagement und Soft-Proofing
   Vollständige Unterstützung von Farbprofilen, welche eine Präzise Farbveränderung über den gesamten Prozess der "Digitalen Dunkelkammer" ermöglicht.
+ Rote-Augen-Entfernung verbessert (Vollständig automatisierter Filter)
+ Perspektivisches Klonen Werkzeug hinzugefügt, welches auf einer vorgegebenen Fläche/Linie perspektivisch richtig klont
+ Filter zur Behebung von Objektivfehlern hinzugefügt
+ Skalierbare Vorschaufunktion bei vielen Filtern, wodurch das Anwenden der Filter wesentlich angenehmer ist


top 5 Geplante 2.6 Veränderungen

Veränderungen die in der Verison 2.6 geplant sind, sind noch relativ wenige bekannt, was auch kein wunder ist, da 2.4 noch nicht lange her ist.

Die wesentlichen Hauptpunkte die bereits bekannt sind, sind einmal die weitere Verbesserung des graphischen Userinterfaces und der Umstieg auf die Generic Graphics Library (GEGL).

Die Generic Graphics Library bringt hauptsächlich den Vorteil, dass man Filter und Effekte, welche man am Anfang eines Projektes verwendet hat,
beliebig spät noch nachträglich verändern kann.
Wenn man bspw. am Anfang einen Farbkorrekturfilter gewählt hat, welcher einem nach hinzufügen von Effekten nichtmehr gefällt, muss man nicht
wieder von vorn anfangen, sondern kann den angewandten Farbkorrekturfilter auswählen und editieren.

Die Verbesserungen der Benutzeroberfläche sollen vorallem eine bessere übersicht verschaffen und das Fensterwirrwarr aufheben.
Es ist geplant die kompletten Toolwindows, wie die Werkzeugleiste oder die Pinselbearbeitung in einer Art Dock unterzubringen.

Desweiteren soll der Verzerrungsfilter iWarp als Werkzeug umgesetzt werden, und Verschmieren und Zittern sollen als Werkzeugparameter verfügbar sein.

Laut Authoren ist es geplant in Zukunft in kürzeren Abständen zu releasen also kann man ungefähr gegen Sommer 2008 mit GIMP 2.6 rechnen.

top 6 GIMP Skriptsprache (Skript-Fu)

Das GIMP Skript-Fu ist eine GIMP interne Interpretersprache basierend auf Scheme, welche per Funktionen die GIMP-Datenbank abfrägt.
Skript-Fu lässt sich für viele Anwendungsgebiete verwenden, meistens wird es jedoch als Automationswerkzeug für
immer wiederkehrende Reihenfolgen oder schwierig zu merkende Abläufe verwendet.

Alle Befehle, die von GIMP zur Verfügung gestellt werden, können im Prozedurbrowser PDB nachgeschlagen werden.
Dieser befindet sich im Menü "Xtns / Prozedurbrowser".

GIMP-Skripte tragen die Endung .scm und müssen um von GIMP erkannt zu werden im GIMP-Skripte-Ordner gespeichert werden.
Dieser befindet sich unter Linux im /usr/local/share/gimp/2.0/scripts/ Ordner und unter Windows im \GIMP-2.x\share\gimp\2.0\scripts Ordner.
Desweiteren besitzt GIMP auch eine Skript-Fu-Konsole (Xtns / Skript-Fu / Skript-Fu-Konsole). Diese kann dazu verwendet werden, um einzelne Befehle auszuführen oder Skripts zu testen.

Scheme ist ein LISP-Dialekt und besitzt nicht viele von anderen Programmiersprachen gewohnte Features.
Beispielsweise gibt es in Scheme keine Schleifen und auch der Syntax sieht auf den ersten Blick ein bisschen komisch aus:

(Befehl Parameter1 Parameter2) ;Kommentar

Eine einfache Addition würde demnach so aussehen:

(+ 3 2) ;Gibt den Wert 5 zurück

Und eine if-Abfrage so:

(if (= var 0) (befehl1) (befehl2)) ;Wenn var=0, führe befehl1 aus, sonst befehl2

Wer sich über die Programmierung von Skript-Fu näher informieren will, empfehle ich das Skript-Fu-Einsteiger-Tutorial von gimpusers.de

Das Skript-Fu ist nicht die einzige Skriptsprache für GIMP, aber die einzige, die bereits von vornherein installiert ist. Andere mögliche
Skripterweiterungen sind Perl, Python und Tcl. Diese lassen sich vom GIMP-Pluginregister herunterladen und nachinstallieren.

top 7 Plugins

GIMP bringt standartmäßig viele Plugins mit sich. Sollten einem diese nicht ausreichen hat man die Möglichkeit weitere Plug-Ins einzubinden.
Diese kann man entweder auf etlichen Seiten downloaden oder mit C-Kenntnissen selbst programmieren.
Ein Tutorial zum selbst programmieren, wird auf der GIMP-Developer-Resources-Seite angeboten.

Die GIMP-Standart-Plugins gehen von Farbkorrekturfilter für Fotobearbeitung über Verzerrungs- und Zerstörungsfilter zur abstrakten Bearbeitung,
bis zu Generator-Plugins mit welchen man parametergesteuert Bilder generieren kann.

top 8 Animationen mit GIMP

Ein weiteres Anwendungsgebiet für GIMP ist das Erstellen bzw. Bearbeiten von Animation.

Wenn man eine Animation in GIMP öffnet, werden die einzelnen Frames als Ebenen geladen.
Abspielen kann man die Animation dann per Filter (Filter -> Animation -> Animation abspielen), wobei die einzelnen Frames dann nacheinander, von unten nach oben durchlaufen werden.

Wenn man eine Animation aus Frames bauen will, welche aus mehreren Ebenen bestehen, muss man zuerst die Ebenen der einzelnen Frames, zu einer einzigen Ebene vereinen (Rechtsklick auf Ebene -> Nach unten vereinen) (Abb 8.1.2).
Wenn man dies nicht tut werden die einzelnen Ebenen eines Frames als einzelne Frames behandelt.
Wenn auf ein normales Frame ein teilweise transparentes Frame folgt, wird erst das nicht-transparente Frame angezeigt und danach das nicht-transparente Frame mit dem transparenten Frame erweitert (Abb 8.1.1)

Abb 8.1.1  Abb 8.1.1                       Abb 8.1.2  Abb 8.1.2
Abb 8.1.1 - GIMP Ebenenfenster mit getrennten Ebenen (links) & fertige Animation als .gif exportiert (rechts)                                  Abb 8.1.2 - GIMP-Ebenenfenster mit vereinten Ebenen (links) & fertige Animation als .gif exportiert (rechts)

top 9 Hardwareunterstützung

Natürlich braucht man in einem professionellen Graphikbearbeitungsprogramm auch eine Möglichkeit diverse Hardwaregeräte mit einzubinden.
GIMP unterstützt so ziemlich jeden installierten Scanner und lässt sich mittlerweile sogar über MIDI-Controller steuern (allerdings im Moment nur unter
der Linux-Version mit OSS oder ALSA-Treibern).
Wie genau man sein GIMP MIDI-fähig macht kann man auf einem How-To der Herstellerseite in Erfahrung bringen.

top 10 Vergleich mit Adobe Photoshop

Die neue Version von GIMP bietet mittlerweile fast alle wichtigen Photoshopfunktionen, bis auf einige, für den professionellen Bildbearbeitungsbereich wichtige Funktionen,
wie die Unterstützung des CMYK-Farbstandards was von vielen High-End-Druckern im kommerziellen Bereich verwendet wird.
Allerdings ist die Unterstützung des CMYK-Farbstandards für später Releases von GIMP bereits geplant.

Desweiteren bietet Photoshop ein riesige Anzahl an Farbkanälen und Farbprofilen welche bei GIMP wesentlich knapper bestückt sind.

Wegen der graphischen Oberfläche wird GIMP meiner Meinung nach oftmals zu unrecht kritisiert.
Man hat nicht zwangsläufig ein Fensterwirrwarr auf dem Bildschirm sondern kann sich, dadurch dass sich die Toolbars frei anordnen lassen,
auch einfach ein Fenster mit Toolbars und ein Fenster mit dem zu bearbeitenden Bild erstellen, wie sich in Kombination mit der Vollbildfunktion (F11) übersichtlicher
nicht arbeiten lässt.

Fazit:
GIMP kann sich mittlerweile echt sehen lassen. Wer mit der GIMP GUI zurechtkommt und GIMP genauso gut bedienen kann wie Photoshop kann
in den meisten Fällen qualitativ gleichwertige Ergebnisse in gleicher Zeit erzielen und behält dazu noch bei den aktuellen Preisen von Photoshop 1026,97 €.